Zum Inhalt springen

Prüfungsbefunde und Kompetenzbeurteilung

Von der Beobachtung zur begründeten Kompetenzaussage

Wie lässt sich aus dem Handeln einer Person in einer Prüfungssituation ein fachlich nachvollziehbarer Befund gewinnen? Und unter welchen Voraussetzungen darf dieser Befund zur Beurteilung professioneller Kompetenz herangezogen werden?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich MESH® RESEARCH im Rahmen der konzeptionellen Entwicklung eines Beurteilungs- und Prüfungssystems.

Als Prüfungsbefund verstehen wir in diesem Forschungszusammenhang eine fachlich begründete und dokumentierte Feststellung, die sich auf bestimmte Beobachtungen, Prüfungsleistungen oder andere prüfungsrelevante Informationen stützt. Ihre Aussagekraft hängt von den zugrunde liegenden Kriterien, den Bedingungen ihrer Gewinnung und der Nachvollziehbarkeit der fachlichen Schlussfolgerung ab.

Im Mittelpunkt steht die methodische Unterscheidung zwischen dokumentierten Beobachtungen und Prüfungsleistungen, den daraus fachlich begründeten Prüfungsbefunden sowie den weitergehenden Aussagen, die auf dieser Grundlage über professionelle Handlungsfähigkeit abgeleitet werden können.

Dabei ist von besonderem Interesse, welche Anforderungen an die Begründung eines Prüfungsbefundes zu stellen sind.

Ein Befund muss erkennen lassen, worauf er sich stützt, unter welchen Bedingungen er gewonnen wurde und welche Schlussfolgerungen er tatsächlich rechtfertigt.

Prüfungsbefunde im Zusammenhang verstehen

Professionelle Handlungsfähigkeit zeigt sich nicht allein in der Wiedergabe von Wissen oder in der Anwendung einzelner Methoden.

Sie kann auch die Fähigkeit erfordern, Situationen angemessen einzuschätzen, Entscheidungen zu begründen, unterschiedliche Anforderungen miteinander abzuwägen und die Grenzen des eigenen Handelns zu erkennen.

Für die Kompetenzbeurteilung stellt sich deshalb die Frage, wie solche Anforderungen in geeigneten Prüfungssituationen berücksichtigt und anhand nachvollziehbarer Kriterien beurteilt werden können.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Verhältnis zwischen einzelnen Prüfungsbefunden, ihrer Zusammenführung und der Reichweite der daraus abgeleiteten Kompetenzaussagen.

Methodische Tragfähigkeit und Grenzen

Ein weiterer Gegenstand der Entwicklungsarbeit ist die Frage, unter welchen Voraussetzungen Befunde aus einzelnen Prüfungen auf andere Prüfungssituationen oder Prüfungsformate übertragen werden können.

Dabei müssen sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede der jeweiligen Prüfungsbedingungen berücksichtigt werden.

Nicht jeder Befund ist übertragbar. Nicht jede wiederkehrende Beobachtung rechtfertigt bereits eine allgemeine Beurteilungsregel.

Für weitergehende Schlussfolgerungen ist deshalb zu prüfen, welche Bedingungen zwischen den jeweiligen Prüfungssituationen übereinstimmen, welche Unterschiede für die Beurteilung relevant sind und welche zusätzlichen Begründungen oder Untersuchungen erforderlich werden.

Die Entwicklung des Beurteilungs- und Prüfungssystems wird daher als offener methodologischer Prozess verstanden, in dem Begründungen, Geltungsbedingungen und Grenzen von Prüfungsbefunden fortlaufend überprüft und präzisiert werden.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Voraussetzungen nachvollziehbarer und verantwortbarer Kompetenzbeurteilungen besser zu verstehen und methodisch zu beschreiben.

Eine abgeschlossene Validierung des Gesamtsystems wird damit nicht beansprucht.